Von Big Data, über globale Zusammenarbeit bis hin zu Mobbing in der Wissenschaft – das Young One Health Forum 2026 bot teilnehmenden Nachwuchswissenschaftler:innen wieder eine Fülle an aktuellen Themen und Vernetzungsmöglichkeiten.
Die Welt ist im Wandel. Diese Aussage trifft vermutlich zu jedem beliebigen Zeitpunkt zu, aber aktuell vollzieht sich dieser Wandel in rasender Geschwindigkeit. Das macht es auch für junge Wissenschaftler:innen im One-Health-Bereich herausfordernd, sich zu orientieren und eine Karriere aufzubauen. Ein Ort wo sich Wissenschaftler:innen am Anfang ihrer Karriere austauschen können und aktuelle Themen angesprochen werden, bietet das einmal im Jahr stattfindende Young One Health Forum (YOHF) der One Health Platform. 2026 fand das Event vom 24. -25. September in Räumlichkeiten des Helmholtz Zentrums für Infektionsforschung am Wissenschaftscampus in Braunschweig statt.
Erste Vorstellungsrunde mit kuriosen Fakten
Nach einer kurzen Vorstellung der Gastgeberin, der One Health Platform, lernten sich die Teilnehmenden mit einem Icebreaker näher kennen. Bei einer Vorstellungsrunde nach dem Motto „Zwei Wahrheiten & eine Lüge“, erfuhren die Teilnehmenden bereits den ein oder anderen kuriosen Fakt über die Arbeit oder den Karriereweg der Anwesenden. Das bot Anknüpfungspunkte für die ersten Gespräche in der Kaffepause.
Die erste Herausforderung wartete dann im Posterslam. Hier galt es seine aktuelle Forschung in einer Minute dem Publikum vorzustellen und deren Interesse zu wecken. Ohne visuelle oder akustische Hilfsmittel. Eine Herausforderung, mit der Wissenschaftler:innen im Berufsalltag vielfach konfrontiert sind, insbesondere auf Konferenzen. Beim Posterslam meisterten die Teilnehmenden diese Aufgabe mit Bravour. Einen vertieften Einblick in die Forschung gaben dann die Postersessions, in der die einzelnen Forschungsarbeiten detaillierter vorgestellt wurden und in Peergruppen diskutiert werden konnten.

Abb. 1: Teilnehmende des YOHF 2026 am HZI in Braunschweig

Abb. 2: reger wissenschaftlicher Austausch zwischen den Teilnehmenden in den Poster Sessions
Karriereeinblicke – der ungeschminkte Blick hinter die Kulisse
Neben dem Austausch der Nachwuchswissenschaftler:innen untereinander bot das YOHF 2026 auch die Möglichkeit, sich mit etablierten Wissenschaftler:innen auszutauschen. Christian Sieben, HZI Braunschweig, und Isabelle Krammer, Universität Frankfurt, teilten ihre persönlichen Karrierewege mit den Anwesenden und gingen dabei auch transparent mit Misserfolgen und Rückschlagen um – Dinge, die in Lebensläufen meist nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind. Beispielsweise wie viele Bewerbungen erfolglos blieben. Zudem gaben die beiden Tipps, wie die Etablierung auf einem eigenständigen Forschungsgebiet gelingen kann.
Eine kurze Führung über den Wissenschaftscampus durch die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit am HZI half die Köpfe wieder frei zu bekommen und lieferte interessante Informationen zum Veranstaltungsort. Inklusive Designerwänden mit Löchern…aber das ist eine andere Geschichte.

Abb. 3: Braunschweig bot eine würdige Kulisse für das YOHF 2026
Datengesteuerte One Health-Forschung
Die Nachmittagssession des ersten Tages war dem Thema „Daten“ gewidmet. Hier gab Carola Sauter-Louis, Leiterin des Instituts für Epidemiologie am Friedrich-Loeffler-Institut, spannende Einblicke in die Datensysteme zur Tierseuchenbekämpfung. Durch die Globalisierung, weltweiten Handel und Reisen, sowie durch Landnutzungs- und Habitatsveränderungen im Zuge des Klimawandels, gewännen gute Überwachungstool an Bedeutung. Dabei sei eine frühzeitige Entdeckung eines Ausbruchsgeschehens entscheidend für eine erfolgreiche Eindämmung. In Deutschland stehen mit dem TSN (Tierseuchennachrichten-System) und dem KVP (Krisenverwaltungsprogramm) zwei Werkzeuge für die Kontrolle von Tierkrankheiten zur Verfügung. Aber auch Datenbanken zu Tierbewegungen würden wertvolle Informationen liefern. Wie das funktionieren kann, stellte sie anhand der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und der Maul- und Klauenseuche (MKS) vor.
Kathrin Wolf vom Helmholtz München errörterte den Mehrwert der Verknüpfung von Umweltdaten mit Daten zur menschlichen Gesundheit. Konkret zeigte sie auf, wie sich Umweltdaten (bspw. Luftverschmutzung, Lärm, Feuchtigkeit, Lufttemperaturen oder Begrünung) mit den Daten der NAKO-Gesundheitsstudie, Deutschlands größter Kohortenstudie, verbinden lassen. Überwindet man die Hürden in der Datenharmonisierung lassen sich beispielsweise Zusammenhänge zwischen der Exposition mit Ultrafeinen Partikeln und Kardiovaskulären Erkrankungen sowie zwischen Leberfett und Straßenlärm finden. Frau Wolf stellte zudem das Potential der NAKO-Daten und Proben für One Health-Fragestellungen heraus und regte an, diese zukünftig mehr in der One Health-Forschung zu nutzen.
One Health global betrachtet
Der zweite Veranstaltungstag startete auf internationaler Bühne. Amina Benyahia, Leiterin der One Health Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO), gab einen Überblick über die Aktivitäten der WHO und der Quadripartite, bestehend aus WOAH, FAO, UNEP und WHO, im Bereich One Health.
Dazu passend widmete sich die Nachmittagssession der internationalen Forschungszusammenarbeit. Ein Bereich, in dem sich aktuell ein sehr deutlicher Wandel abzeichnet. Ahmed Ab al Wahed von der Universität Leipzig teilte seine Erfahrungen mit One Health in der globalen Gesundheitsforschung. Dabei benannte er 5 Bereiche, die seiner Meinung nach für die globale Umsetzung von One Health adressiert werden müssten: Kapazitätsaufbau, Translation von Forschung in Gesundheitspolitik, Kooperationen auf Augenhöhe, Bürgerbeteiligung, Innovative Lehre. Dabei gelte es große globale Veränderungen durch lokales Handeln zu bewirken – „Think globally, act locally.“

Abb. 4: Dr. Wahed teilte mit vollem Engagement seine Erfahrungen in der globalen One Health-Forschung mit den Teilnehmenden
Nils Gade, Leiter des Sektorvorhabens One Health der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), ging in seinem Vortrag auf die aktuellen Trends in der internationalen One Health Zusammenarbeit ein. Er betonte, dass sich Deutschland global für One Health engagiere und dass es zahlreiche Möglichkeiten und Perspektiven für One Health in der internationalen Zusammenarbeit auf globaler und regionaler Ebene gebe. Allerdings würden Fördervolumen und Projekte durch globale Krisen negativ beeinflusst.
Mobbing in der Wissenschaft - ein Problem?
Neben den fachlichen Sessions gab es am zweiten Tag ein freiwilliges Zusatzangebot zu Mentaler Gesundheit und eine Session zum Thema „Mobbing in der Wissenschaft“. Hier teilten zwei Professorinnen aus der Community ihre Erfahrungen und riefen dazu auf, Mobbing nicht hinzunehmen oder zu verschweigen. Auch wenn die Wissenschaft durch systemeigene Abhängigkeiten, beispielsweise durch befristete Arbeitsverträge und Hierarchiegefälle, Problematiken erschwere. Die anschließende Diskussion verdeutlichte, dass das Thema bei jungen Wissenschaftler:innen extrem relevant ist und weitere Angebote zu diesem Thema sehr willkommen wären. Die One Health Platform hat das Thema in einem ersten Schritt in einer Umfrage aufgegriffen (zur Umfrage), um die Bedarfe zu identifizieren.
Posterpreis 2026
Zum Abschluss wurde die beste Leistung im Posterslam und das beste Poster der Veranstaltung gekürt. Der Preis ging an Johanniska Dsani von der Universität Bonn, die es im Posterslam geschafft hatte, die Teilnehmenden abzuholen und für ihre Forschungsarbeit, die sich mit der Umsetzung des One Health Ansatzes in das Zoonose Surveillance und Response System in Ghana beschäftigt, zu begeistern. Der Preis ist eine kostenlose Teilnahme am International One Health Symposium, vom 29.09.- 01.10.2027 in Berlin.

Abb. 5: Johanniska Dsani überzeugte mit ihrem Posterslam und ihrer Posterpräsentation beim YOHF 2026
Insgesamt bot das YOHF 2026 den Teilnehmenden eine Fülle an wertvollen Eindrücken und Informationen zu aktuellen Themenbereichen der One Health-Forschung. Insbesondere die Entwicklungen im Bereich Daten und internationaler Zusammenarbeit werden die zukünftigen Karrieren der Wissenschaftler:innen begleiten. Die tolle Atmosphäre, der rege Austausch und die neu gewonnenen Vernetzungen haben das YOHF 2026 definitiv zu einem Erfolg gemacht und machen bereits Lust auf das YOHF 2027. Datum und Ort werden wir bald bekannt geben. Stay tuned!
Ein großer Dank geht an alle Vortragende und Teilnehmende für ihre Beiträge, sowie an Maximilian Rohde, Maresa Neuerer und Sebastian Sprengel für die Hilfe bei der Organisation und der Durchführung.